Portrait Sven Böni

Auf Umwegen zum überzeugten Recycling-Fachmann

Als Sven Böni sich für eine Berufslehre entschied, gab es noch keine Recyclisten-Ausbildung. Der gelernte Koch hat über verschiedene Stationen den Weg in die Recyclingbranche gefunden.

Landolt Sven Böhni Recyclist

Mit 21 Jahren war Sven Böni Küchenchef. Richtig zufrieden war er aber nicht. So wechselte er zum Bau, wo er sich bis zum Vorarbeiter hocharbeitete. Als er hier keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr sah, machte er erneut eine Kehrtwende. Bei der Landolt Transport AG in Pfäffikon hat er einen vielseitigen Job gefunden.

«Vor 10 Jahren waren wir zu zweit, ein Hilfsarbeiter und ich, und der Hof war eher eine Zwischenstation, um die Fahrten in die KVA nach Niederurnen besser zu planen. Wir nahmen 12 Fraktionen entgegen. Heute sind wir vier Mitarbeiter und ein Lehrling, bald sogar zwei, und arbeiten mit 70 Fraktionen. Früher wurden etwa 6 000 Tonnen Material pro Jahr angeliefert, heute 15 000 Tonnen. Wir betreiben zu dem die Gemeindesammelstelle von Schmerikon.

Ich bin für alles, was mit Entsorgen zu tun hat, verantwortlich. Neben den Arbeiten auf dem Hof ist das z. B. auch die Kontrolle der Stoffe, die Disposition der An- und Ausfuhren, die Kontrolle der Umweltaspekte, die Mitarbeiterschulung und vieles mehr. Auch gutes Verhandlungsgeschick ist gefragt: Wir haben ein eher kleines Lager hier, daher muss ich das Material in nützlicher Frist zu einem möglichst guten Preis verkaufen. An meiner Arbeit gefällt mir vor allem der vielseitige Alltag. Es gibt laufend neue Stoffe und damit neue Anforderungen. Immer die beste ökologische Lösung zu finden und gleichzeitig ökonomisch zu arbeiten, ist unser Motto. Nachdenklich stimmt mich, wie verschwenderisch mancherorts mit den Ressourcen umgegangen wird.

Als Quereinsteiger war es mir wichtig, mich weiterzubilden. Dass ich Lehrlinge ausbilden wollte, war klar. Und als die Weiterbildung zum eidg. Rohstoffaufbereiter eingeführt wurde, habe ich diese absolviert. Kurz darauf folgte die Weiterbildung zu Fachmann/Fachfrau Entsorgung. Diese wäre heute wohl eher ein Weg, den ein gelernter Recyclist einschlagen würde. Beim Rohstoffaufbereiter geht es eher um Baustoffe, die Prozesse sind aber ähnlich. Wichtig ist, zu verstehen, wie die Maschinen funktionieren. Die Auseinandersetzung mit anderen Rohstoffen hat meinen Horizont erweitert und würde mich auch für spezialisierte Betriebe qualifizieren.

Ich bin ausserdem seit fünf Jahren Prüfungsexperte für die praktische LAP der Recyclistinnen und Recyclisten. Die Nachwuchsförderung liegt mir sehr am Herzen. Ich finde es wichtig, mein Wissen weiterzugeben. Meine Lehrlinge kriegen das manchmal unsanft zu spüren – ich schau ihnen schon stark auf die Finger. Ich schicke sie auch in andere Betriebe zum Aushelfen. Wir arbeiten hier mit vielen Materialien, so werden sie zu Allroundern. In spezialisierten Betrieben können sie aber noch mehr in die Tiefe gehen. Der Austausch mit anderen Prüfungsexperten bietet auch mir die Möglichkeit, in andere Betriebe hineinzusehen. Das hilft mir, meine Arbeitsweise immer mal wieder zu hinterfragen.

Quereinsteiger wie ich haben es in Zukunft wohl eher schwer. Wenn ich jemanden einstelle, ist die Recyclisten-Lehre zwar kein Muss, aber es ist natürlich ein Vorteil. In meinem Team sind mittlerweile alle – ausser ich – ausgebildete Recyclisten. Wichtig ist aber auch, rechnen zu können und vorausschauend zu denken, denn ganz ungefährlich ist so ein Betrieb nicht. Und das Menschliche ist mir wichtig: ein freundlicher Umgang mit Kunden und Loyalität gegenüber den Kollegen.»